Astro Corner - www.astrocorner.de Freitag, 24. November 2017
Astro Corner - www.astrocorner.de
AKTUELL WISSEN SERVICE INTERN
zurück
Astro Corner » Wissen » Kosmologie » Sonnensystem » Kometen » SOHO-Kometen
 Aktuell »
» AstroNews
» Sternhimmel
» NewsMail
» RSS-Feed
 Wissen »
» Kosmologie
» Finsternisse
» Lexikon
 Service »
» Software
» AstroFotos
» Links
» AstroShop
 Intern »
» Werbung
» Gästebuch
» Kontakt
» Impressum
» Historie

SOHO-Kometen

Sonnenobservatorium beobachtet Koronastürmer
ESA, NASA
Raumsonde SOHO
Das Sonnenobservatorium SOHO (Solar and Heliospheric Observatory) der ESA und NASA, das für die Beobachtung der Atmosphäre unseres Zentralgestirns konzipiert worden war, wird von zahlreichen Amateurastronomen auch für die Suche nach flinken Schweifsternen benutzt, die der Sonne besonders nahe kommen und dabei durch ihr wenige Stunden andauerndes Aufleuchten kurzzeitig zu beobachten sind.

SOHO befindet sich auf einer dem Erdorbit synchronen Bahn um die Sonne auf dem Lagrange-Punkt L1, einem Ort im Raum an dem sich die Anziehungskraft der Erde und jene der Sonne exakt ausgleichen. SOHO fertigt von dort aus mit verschiedenen Kameras Bilder der äußeren Schichten der Sonne sowie der Korona an und überträgt diese zur Erde. Hier können die Ergebnisse dann fast in Echtzeit und öffentlich zugänglich im Internet betrachtet werden.
ESA, NASA
Entdeckung der SOHO- Kometen Nr. 999 und 1000 - die helle Sonne wird von einer Scheibe abgedeckt, um eine künstliche Finsternis zu erzeugen, so dass die nur schwach leuchtende äußere Atmosphäre der Sonne - die Korona - sichtbar wird.
Hin und wieder kommt es vor, dass auf den Bildern der LASCO C3-Kamera (Large Angle and Spectrometric Coronagraph) ein kleiner nebliger Fleck zu erkennen ist. Hierbei handelt es sich dann meist um einen kleinen zuvor noch unbekannten Kometen, der in geringer Distanz zu unserer Sonne in kurzer Zeit verdampft und auf seinem Kurs durch die heiße Sonnenkorona einen Schweif entwickelt.

Eine solche Beobachtung machte auch der itanienische Hochschullehrer Toni Scarmato, als er am 5. August 2005 den 999. und 1000. Kometen entdeckte, der mithilfe der Aufnahmen des Weltraumobservatoriums SOHO ausfindig gemacht werden konnte. Für den ambitionierten Kometen-Jäger war es bereits die 15. Entdeckung eines Kometen auf SOHO-Bildern.
Kamikaze-Kometen
Annäherung zweier Kometen-
bruchstücke an die Sonne
In der Animation ist die Annäherung zweier Kometen an die Sonne zu erkennen. Die Sonne ist der abgedeckte Kreis oben links im Bild. Das größere der beiden Objekte bewegt sich relativ nahe an die Sonne heran, wobei der kleinere Begleiter schon sehr bald in der Hitze der Sonne verdampft ist. Obwohl der Kern des größeren Kometen am Ende der Animation schon nicht mehr erkennbar ist, scheint sich der Schweif noch wie ein Geist weiter zu bewegen.

Die beiden sich auflösenden Kometen sind Bruchstücke eines einzigen wesentlich größeren Mutterkometen, der vor Tausenden von Jahren in unzählige Fragmente zerbrach. Wissenschaftler bezeichnen solche Kometen als Mitglieder der Kreutz-Gruppe, da der Astronom Heinrich Kreutz diese Objekte im 19. Jahrhundert im Detail studierte.

Die meisten Objekte dieser Art enden wie die hier gezeigten - sie fallen entweder direkt auf die Sonne oder werden in ihrer unmittelbaren Nähe vaporisiert.
Sonnenstreifende Kreutz-Kometen
ESA, NASA
Komet C 2004 F4 (Bradfield), der der Sonne im April 2004 sehr nahe kam und dabei eine spektakuläre Erscheinung bot
Auch bei dem 1000. mit SOHO entdeckten Jubiläums-Kometen handelt es sich um ein Mitglied der Kreutz-Gruppe, einer größeren Anzahl unscheinbarer Kometen, die aufgrund ihrer ähnlichen Umlaufbahnen alle ein und dem selben Mutterkometen zuzuordnen sind, der vor einigen Tausend Jahren zerbrochen sein dürfte. Kometen der Kreutz-Gruppe nähern sich der Sonne während eines Periheldurchlaufs auf eine Entfernung von bis zu 800.000 Kilometern an und lösen sich dabei meist vollständig auf. 85 Prozent aller bislang entdeckten SOHO-Kometen gehören der Kreutz-Gruppe an.

Kometen der Kreutz-Gruppe besitzen für gewöhnlich Kerne mit nur einigen Metern Durchmesser. Doch da es zahlreiche dieser Objekte gibt, geht man davon aus, dass der ursprüngliche Komet einen gewaltigen Kern mit einem Durchmesser von ungefähr 100 Kilometern besessen haben muss. Es gibt jedoch auch besonders große Fragmente, die bereits beobachtet wurden. Der helle Komet des Jahres 1106 war beispielsweise ein ganz außergewöhnliches Mitglied der Kreutz-Gruppe. Er brach höchstwahrscheinlich bei seiner Sonnenpassage auseinander und kehrte in Form von 2 Fragmenten in den Jahren 1843 und 1882 wieder. Auch der Kreutz-Komet C 1965 S1 (Ikeya-Seki) - der mit einer maximalen Magnitude von -7mag hellste Komet des vergangenen Jahrhunderts - konnte im Jahr 1965 als spektakuläre Erscheinung beobachtet werden.

Neben der bekannten Kreutz-Gruppe konnten mit Hilfe der SOHO-Aufnahmen 3 weitere solcher Gruppen entdeckt werden. Dies sind die Meyer-Gruppe mit mindestens 55 Mitgliedern, die Marsden-Gruppe mit mindestens 21 Zugehörigen und die Kracht-Gruppe, der 24 Kometen angehören. Die Gruppen sind nach Astronomen benannt worden, die die Zusammengehörigkeit der einzelnen Mitglieder erstmals nachweisen konnten.
Erfolgreiches Projekt
SOHO
Komet C/2002 V1 NEAT während seiner Annäherung an die Sonne am 18.02.2003 (Fotomontage mit einem koronalen Massenauswurf)
Schon die 500. Kometenentdeckung auf den Bildern des SOHO-Observatoriums durch Rainer Kracht im August 2002 war eine Leistung, die die am SOHO-Projekt beteiligten Wissenschaftler ursprünglich nie für möglich gehalten hätten. Mit der eintausendsten Aufspürung ist SOHO der erfolgreichste Kometenentdecker in der Geschichte der Astronomie.

SOHO wurde 1996 in Betrieb genommen und beendete seine Primärmission im April 1998. Zu dieser Zeit besaß das Observatorium allerdings noch genügend Treibstoff, um mehrere Jahrzehnte weiter zu arbeiten. In den mittlerweile fast 10 Jahren Betriebsdauer der Raumsonde konnten fast die Hälfte aller bis dato bekannten Kometen mit Hilfe von SOHO entdeckt werden. Nicht zuletzt hat die SOHO-Mission das Verständnis der Sonnen-Physik grundlegend revolutioniert.

Im Jahr 2003 jedoch bemerkten die zuständigen Wissenschaftler eine Störung des Ausrichtungsmechanismus der Hochleistungsantenne des Sonnenobservatoriums. Diese Antenne wird zur Übertragung großer Datenmengen der wissenschaftlichen Untersuchungen von SOHO zur Erde genutzt. Von SOHO aus gesehen muss diese Antenne genau auf die Erde gerichtet sein, um die Daten fehlerfrei übertragen zu können.

Die Sicherheit und Einsatzfähigkeit des weltraumgebundenen Sonnenobservatoriums ist durch die Störung nicht in Gefahr. Doch seit dem ersten Auftreten des Übertragungs-Blackouts im Sommer 2003 kommt es im Abstand einiger Monate regelmäßig zu periodischen Ausfällen der Echtzeit-Datenübertragung. Dieses Problem konnte durch einen Trick, bei dem SOHO immer wieder um 180° gedreht wird, weitgehend eingeschränkt werden. Wichtige wissenschaftliche Daten gehen jedoch regelmäßig unwiederbringlich verloren. Es bleibt zu hoffen, dass das Weltraum-Observatorium so lange wie möglich weiter funktionieren wird, um diese einzigartige Beobachtungsmethode der nahen Sonnenumgebung nicht abreißen zu lassen.
Der Komet SWAN (C/2004 V13)
Im Dezember 2004 konnte auf den Bildern der Kamaera LASCO-C3 des Sonnenobservatoriums SOHO beobachtet werden, wie ein Komet für wenige Tage während seiner Perihelpassage kurz aufleuchtete. Das Objekt trägt die Bezeichnung C/2004 V12 (SWAN), wurde also erst im November vom SWAN-Instrument an Bord des Sonnenobservatoriums SOHO entdeckt.

SOHO
SOHO-Aufnahme des Kometen
SWAN ist eine Überwachungskamera, deren Hauptaufgabe darin besteht, die vom interplanetaren Medium zurück gestreuten Lyman Alpha-Photonen bei einer Wellenlänge von 121,6 nm aufzuzeichnen. Ab und zu werden auf den von SWAN angefertigten Bildern auch Kometen registriert. In diesem Fall handelte es sich um eine Neuentdeckung eines Kometen, der den Bahnberechnungen zur Folge schon wenige Tage nach seiner Entdeckung der Sonne sehr nahe kommen sollte.

Der Komet erreichte sein Perihel am 21. Dezember 2004. Der Abstand zur Sonne betrug nur 0,18 Astronomische Einheiten (A.E.).

Die prognostizierte Helligkeit des Kometen zur Zeit seiner Perihelpassage war mit 5. Größe angegeben. Somit war dieser Komet nach seinen Artgenossen NEAT (C/2001 Q4), LINEAR (C/2001 T7), Bradfield (C/2004 F4), LINEAR (C/2003 K4) und Machholz (C/2004 Q2) theoretisch der 6. Komet des Jahres 2004, der aufgrund seiner Helligkeit mit dem bloßen Auge hätte beobachtet werden könnte.

Tatsächlich konnte der Komet SWAN jedoch nur auf den Bildern der LASCO-C3-Kamera aufgefunden werden, da sich das Objekt viel zu nahe der Sonne befand und in der Dämmerung in deren hellen Strahlen unterging.

SWAN ist immerhin die 863. offizielle Kometenentdeckung des Observatoriums SOHO. Der Komet wurde im November durch M. Mattiazzo in SWAN-Aufnahmen vom November 2004 gefunden, der Erstnachweis in C3-Bildern erfolgte durch J. Sachs.
blättern
interne Links zum Thema
 Astro Corner » Wissen » Kosmologie » Sonnensystem » Kometen »
» Hartley 2 (2010)
» Kushida (2009)
» Holmes (2007)
» Halley (1986)
» Honda-Mrkos-Pajdušáková (2011)
» Schwassmann- Wachmann 3 (2006)
» Tuttle (2007)
» Hale-Bopp (1997)
» Hyakutake (1996)
» Machholz (2005)
» SWAN (2006)
» McNaught (2007)
» LINEAR (2007)
» Christensen (2009)
» LONEOS (2007)
» Lulin (2009)
» Boattini (2008)
» McNaught (2008)
» Cardinal (2009)
» Yi-SWAN (2009)
» Garradd (2011)
» McNaught (2010)
» Ikeya-Murakami (2010)
» Elenin (2011)
» Helle Kometen
» Periodische Kometen
   SOHO-Kometen
Transneptune
Transneptune
Portrait der eisigen Boten der Urzeit
AstroPoster
Astro Corner präsentiert großformatige Farbdrucke von eindrucksvollen Himmelsobjekten
Astronomie-
Literatur
Himmelsjahr 2016 jetzt bestellen!
Crossmedia- und WebDesign
.artics erstellt professionelle Internetauftritte, Crossmedia- Produktionen, und Web- Applikationen aller Art.
Ihre Werbung auf dieser WebSite
Hier kann Ihr Werbebanner erscheinen