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06.06.2012

2. Venus-Transit des 21. Jahrhunderts
Am 5./6. Juni 2012 wird die Venus ihre untere Konjunktion zur Sonne erreichen und dabei von der Erde aus betrachtet vor der hellen Sonnenscheibe vorüberziehen. An diesem Tag wird von einigen Kontinenten somit ein seltener Venus-Transit zu beobachten sein.

In Mitteleuropa kann nur der letzte Teil des Durchgangs nach Sonnenaufgang verfolgt werden. Vollständig ist das Ereignis in weiten Teilen Ost- und Nordasiens, Grönlands, sowie von der nördlichen Polarregion, Nordwest-Kanada & Alaska, Ost- und Zentral-Australien und von weiten Teilen des nördlichen und westlichen Pazifiks aus zu sehen.
Doppeltes Jahrhundert-Ereignis
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Ansicht des Planeten Venus vor der Sonnenscheibe am 6. Juni 2012 (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)

Venusdurchgänge vor der Sonne sind wesentlich seltener zu beobachten als Sonnen- oder Mondfinsternisse. Selbst die unauffälligeren Transite des kleinen und flinken Planeten Merkur erscheinen viel häufiger.

Venus-Transite treten fast immer gepaart im Abstand von 8 Jahren ungefähr alle 120 Jahre auf. Der letzte von der Erde aus zu beobachtende Venus-Transit fand am 8. Juni 2004 statt. Gemeinsam mit dem Venus-Durchgang des Jahres 2012 bildet dieses Ereignis das Venus-Transit-Paar des 21. Jahrhunderts.

Nach dem Ende des aktuellen Jahrhunderts wird ein solches Himmelsereignis erst wieder am 11. Dezember 2117 zu sehen sein. Der nächste Venus-Transit, der auch wieder in voller Länge von Mitteleuropa aus zu beobachten ist, findet erst wieder am 11. Juni 2247 statt.

Voraussetzungen für einen Venus-Transit

SOHO
Venus kurz vor ihrer unteren Konjunktion im Januar 2006 - der Planet wandert nördlich an der Sonne vorbei

Venus-Transite können auftreten, wenn der innere Planet seine untere Konjunktionsstellung einnimmt. Doch nicht bei jedem solchen Ereignis ist auch immer ein Venus-Transit zu beobachten, da der Planet von der Erde aus beobachtet meist einige Grad nördlich oder südlich der Sonnenscheibe vorbei zieht. Die Umlaufbahn des Planeten Venus ist schließlich um wenige Grad zur Ekliptik (Umlaufbahn der Erde um die Sonne) geneigt.

Nur wenn der innere Planet auf seiner Bahn um die Sonne zur Zeit der unteren Konjunktion einen aufsteigenden oder absteigenden Knoten passiert, ist eine solche Mini-Finsternis für Beobachter auf der Erde zu erkennen. Ein Bahnknoten ist der Schnittpunkt der scheinbaren Venusbahn am Himmel mit der Ekliptik.

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Neigung der Umlaufebene der Venus gegen die Ekliptik - Transitereignisse können nur stattfinden, wenn sich Venus und Erde nahe der Knotenlinie befinden
 
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In den Jahren 2004 und 2012 ist jeweils ein Venus-Transit zu beobachten, 1996 wurde das Ereignis knapp verfehlt, Venus lief südlich an der Sonnenscheibe vorbei

Wenn die Venus also einen Knoten erreicht, befindet sie sich exakt in Höhe der Ekliptik, durchquert also gleichzeitig auch die Sonnenscheibe. Die Sonne, die Venus und die Erde reihen sich dann auf einer rund 150 Millionen Kilometer langen imaginären Linie auf.
Verlauf des Venus-Transits von 2012
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Kontakte des Venustransits vom 6. Juni 2012: Der Pfad der Venus führt über die nördliche Hemisphäre der Sonne. Die Angaben der Zeitskala beziehen sich auf die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Die Positionen der Venus sind aus geozentrischer Perspektive angegeben und können für verschiedene Beobachtungsorte leicht abweichen.

Am 6. Juni 2012 erreicht die Venus um etwa 3 Uhr MESZ ihre untere Konjunktion zur Sonne. Nur rund einen Tag später passiert der innere Planet seinen absteigenden Knoten. Der zeitlich geringe Abstand der beiden Ereignisse reicht aus, um einen Transit entstehen zu lassen.

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1. und 2. Kontakt des Venus-Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Geozentrisch betrachtet berührt das Venusscheibchen am 6. Juni 2012 den Rand der Sonnenscheibe erstmals um 00:09:29 Uhr MESZ (1. Kontakt) - der Transit beginnt. Ohne einen speziellen H-Alpha-Sonnenfilter ist dieses Ereignis noch nicht zu beobachten, da die Venus erst in Erscheinung tritt, wenn sie sich bereits teilweise über der hellen Sonnenscheibe befindet.

Vorerst ist nur eine unscheinbare Beule am Sonnenrand zu erkennen. Innerhalb von knapp 18 Minuten überquert der gesamte Venusglobus den sichtbaren Sonnenrand - dieser Zeitraum wird auch als Eintritt bezeichnet. Um 00:27:26 Uhr tangiert das Venusscheibchen den Rand der hellen Sonnenscheibe von innen (2. Kontakt).

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Eintritt des dunklen Venus-Scheibchens in die helle Sonnenscheibe - zunächst ist lediglich eine winzige Beule zu erkennen, die sich im Laufe weniger Minuten scheinbar zu einer größeren Kerbe erweitert hat. Venus strebt dem 2. Kontakt entgegen (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)

Von diesem Moment an entfernt sich die Silhouette zunehmend vom Sonnenrand. Die langsame Passage der dunklen kreisförmigen Planetenkontur über die Sonnenscheibe wird mehr als 6 Stunden andauern. Die Venus zeigt an diesem Tag einen scheinbaren Durchmesser von 57,79 Bogensekunden, dies entspricht etwa 1/33 des Sonnenscheiben-Durchmessers (1891,38") bzw. 0,1% der Sonnenscheiben-Fläche.

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Mitte des Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Um 03:29:28 Uhr tritt das Maximum des Venus-Transits ein - der Planet hat seinen geringsten Abstand von der Sonnenscheiben-Mitte erreicht. Während des Transits vom 6. Juni 2012 beträgt dieser Abstand 554,4 Bogensekunden. In der darauffolgenden Zeit nimmt der Abstand zum Sonnenrand wieder nach und nach ab.

Erst um 05:20 Uhr wird die von der Venus zum Teil bedeckte Sonne für die Beobachter in Deutschland aufgehen. Es verbleibt noch etwas mehr als eine Stunde bis zum Ende des Transits.

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3. und 4. Kontakt des Venus-Transits (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Der 3. Kontakt dieser Mini-Finsternis tritt um 06:31:31 Uhr ein - die Venus berührt nun erneut den Rand der Sonnenscheibe von innen. Nun dauert es noch einmal knapp 18 Minuten, bis der gesamte Globus den hellen Sonnenhintergrund verlassen hat. Um 06:49:27 Uhr wird die Venus-Silhouette vollständig verschwunden sein und der Transit endet mit dem 4. Kontakt. Der Zeitraum zwischen dem 3. und 4. Kontakt wird auch als Austritt bezeichnet.

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Austritt der Venus vor der Sonnenscheibe - nochmals ist die Überquerung des Sonnenrandes zu beobachten (Bild-umkehrende Teleskop-Ansicht)
Sichtbarkeit
Der Transit wird von der gesamten Tageslichthemisphäre der Erde zu beobachten sein. Da das Ereignis mehr als 6 Stunden andauert, wird die Erde während dieser Zeit etwa 1/4 der täglichen Rotation zurückgelegen. Somit kann von einigen geographischen Regionen aus das gesamte Ereignis nachvollzogen werden, von anderen Regionen nur der Anfang oder das Ende des seltenen Spektakels. Letztlich wird von ungefähr einem Viertel der Erdoberfläche aus dieser Venus-Transit nicht zu erleben sein, da sich die Sonne zur Zeit des Ereignisses noch unter dem Horizont befindet.

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Globale Sichtbarkeitsbedingungen des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - in Mitteleuropa kann das Ereignis bei Sonnenaufgang verfolgt werden

Der gesamte Verlauf dieses Venus-Transits ist weiträumig von weiten Teilen Ost- und Nordasiens, Grönlands, sowie von der nördlichen Polarregion, Nordwest-Kanada & Alaska, Ost- und Zentral-Australien und von weiten Teilen des nördlichen und westlichen Pazifiks aus zu beobachten.

In Nord- und Mittelamerika sowie dem Nordwesten Südamerikas ist zwar der Anfang dieses Ereignisses zu beobachten, doch die Sonne geht noch vor dem Austritt der Venus aus der Sonnenscheibe unter.

Dementsprechend könnten Beobachter in Europa, dem Orient, Ost-Afrika, in West-Australien und über dem Indischen Ozean nur das Ende des Transits miterleben, da das Ereignis für diese Regionen bereits vor Sonnenaufgang begonnen haben wird.

Ereignis
Geozentrisch
50° Nord, 10° Ost
1. Kontakt
00h09m29s
00h04m04s
2. Kontakt
00h27m26s
00h21m53s
Mitte (Maximum)
03h29m28s
03h30m11s
Sonnenaufgang
/
05h20m
3. Kontakt
06h31m31s
06h37m28s
4. Kontakt
06h49m27s
06h55m06s
Phasen des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - Die Kontaktzeiten sind sowohl geozentrisch als auch für den Ort bei den Koordinaten 50° nördlicher Breite und 10° östlicher Länge angegeben. Die Beobachtungszeiten sind in der für diese Zeit in Deutschland gültiger Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) angegeben.

Die Kontaktzeiten in der linken Spalte (geozentrisch) beziehen sich auf den Erdmittelpunkt. Die entsprechenden Daten für andere Orte auf der Erdoberfläche weichen hiervon um bis zu plus oder minus sieben Minuten ab. Gleichbedeutend verschiebt sich der Ort des Venusscheibchens vor der Sonne um bis zu 30 Bogensekunden, je nach dem an welcher geographischen Stelle der Erdoberfläche sich der Beobachter befindet. Dieser Effekt entsteht durch parallaktische Verschiebungen des Planeten Venus.

Ort Sonnenaufgang (MESZ)
Berlin 04:46 h
Hamburg 04:53 h
Hannover 05:01 h
Dresden 04:52 h
Köln 05:22 h
Frankfurt/Main 05:17 h
Stuttgart 05:22 h
München 05:15 h
Salzburg (A) 05:10 h
Graz (A) 05:04 h
Wien (A) 04:55 h
Zürich (CH) 05:30 h
Bern (CH) 05:37 h
Genf (CH) 05:45 h
Wetterbedingungen
Mittel- und Nordeuropa

Anfang Juni besteht in Mitteleuropa eine mittlere statistische Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit von mehr als 70%. Dies sind also sehr ungünstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Beobachtung des seltenen Himmelsspektakels.

Im Norden Europas, wo aufgrund der saisonalen Mitternachtssonne sogar der gesamte Verlauf des Venus-Transits bei teilweise sehr niedrig stehender Sonne verfolgt werden könnte (z.B. in Nord-Skandinavien, Lappland, Spitzbergen), liegt dieser statistische Wert sogar noch etwas höher.

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Statistische globale Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit im Juni mit Sichtbarkeitszone des Venus-Transits vom 6. Juni 2012 - je dunkler eine Region erscheint, desto ungünstiger sind die lokalen Beobachtungs- und Wetterprognosen

Südeuropa

Bessere Beobachtungsbedingungen sind für europäische Beobachter nur im Mittelmeer-Raum (v.a. Türkei, Zypern, Israel, Ägypten) anzutreffen. Hier liegt die Bedeckungs-Wahrscheinlichkeit teilweise sogar unter 30%. Wer allerdings einen Beobachtungsort mit möglichst optimalen Bedingungen sucht, muss eine längere Reise in Kauf nehmen.

Asien

Auf dem asiatischen Kontinent wird man zwar bezüglich der Sichtbarkeitsdauer und der Höhe der Sonne über dem Horizont bessere geometrische Konditionen antreffen, aber die Bewölkungs-Wahrscheinlichkeit unterscheidet sich unter anderem aufgrund der Monsun-Wetterlage nicht sonderlich von den Gegebenheiten in Europa.

Die besten Bedingungen bieten in Asien nur die Wüste Gobi mit ihren ganzjährig geringen Niederschlagsmengen und der orientalische Raum (vor allem die arabischen Länder), von wo aus aber nur das Ende des Transits zu beobachten ist.

Australien & Pazifik

Im globalen Vergleich bestehen die besten Voraussetzungen für die Pazifikinselgruppe Hawaii und den Nordosten Australiens. Im nördlichen Outback liegt die Wahrscheinlichkeit, zur Beobachtungszeit Wolken anzutreffen bei unter 20%.
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