Im Juli sind nächtliche Beobachtungen von Himmelsobjekten nur eingeschränkt möglich. Die Nächte bieten dem Beobachter nur etwa 4 bis 5,5 Nachtstunden vom Ende bis zum erneuten Beginn der nautischen Dämmerung. Ab Mitte Juli wird es bezüglich der astronomischen Dämmerung wieder für etwa zwei Stunden richtig dunkel - die Sonne versinkt für diese Zeit mehr als 18 Grad unter den Horizont.
In einigen hellen Julinächten können Leuchtende Nachtwolken beobachtet werden. Hin und wieder verzieren diese dünnen Eiswolken, die in extrem hohen atmosphärischen Schichten auftreten und nachts noch von der Sonne beschienen werden, den nördlichen Horizont.
Der Sternenhimmel zeigt nur noch wenig von seinem vormals frühlingshaften Charakter. Im Nordwesten geht das Sternbild Löwe unter - das Haar der Berenike und die Jungfrau sind noch über dem Westhorizont zu erkennen. Bootes prangt mit seinem hellen Hauptstern Arktur hoch über diesen Konstellationen.
Der übrige Himmel wird vor allem von den Sommersternbildern dominiert. Im Süden macht sich das große Sternbild des Schlangenträgers breit, südlich der Schlange befinden sich Skorpion und Schütze. Von hier aus zieht sich das schimmernde Band der Milchstraße durch die Sternbilder Schild, Adler, und Füchschen im Südosten, Schwan, Leier und Eidechse hoch im Osten, sowie Kepheus und Kassiopeia im Nordosten.
Die Milchstraße ist unsere eigene Galaxie, wie sie uns von innen heraus betrachtet erscheint. Am Sommerhimmel zeigen sich uns innere Bereiche unserer Galaxis. Das Zentrum der Milchstraße kann man zu dieser Zeit nahe dem südlichen Horizont erkennen. Hier zeigen sich auch die auffälligsten und hellsten Bereiche des majestätischen Lichtbandes. In unseren Breiten kommt die wahre Pracht des Milchstraßenzentrums allerdings nicht vollständig zur Geltung, da es sich nicht weit über den Horizont erhebt und nur in kurzen hellen Sommernächten zu sehen ist. Besucher südlicher Gebiete hingegen berichten oft von einem imposanten Anblick, wenn sich die zentrale Partie direkt im Zenit des Beobachters befindet.
Inmitten der hellen Milchstraße sind zahlreiche interessante Beobachtungsobjekte zu finden, die vor allem für Astrofotografen überaus interessant sein können. Die Galaxis ist durchzogen von zahlreichen Gas- und Staubnebeln. Befinden sich Sterne nahe diesen Materieansammlungen, werden die Gase durch die intensive Strahlung des Sterns ionisiert und somit zum Leuchten angeregt. Erkennbar werden die Gasmassen dann als weit ausgedehnte helle Nebel, die im Licht des angeregten Wasserstoffs auf Fotografien in einem intensiven Rot erscheinen.
Teilweise werden helle Nebel von Dunkelwolken überlagert, die sich kontrastreich von ihrer Umgebung abheben. Diese auch mit dem bloßen Auge deutlich dunkler erscheinenden Milchstraßenbereiche sind gewaltige Ansammlungen von Gas- und Staubmassen innerhalb unserer Galaxie, die mit den Sternen um das Zentrum rotieren. In der unmittelbaren Nachbarschaft von Dunkelwolken befinden sich meist keine Sterne, die deren Gas ionisieren könnten. Die Wolken 'schlucken' das Licht dahinter liegender Sterne und erscheinen daher undurchsichtig.
Besonders empfehlenswerte Beobachtungsobjekte im Juni sind die Doppelsterne alpha CVn, zeta UMa, epsilon Boo, nü Ser, delta Dra, zeta Lyr, beta Lyr, theta Ser, beta Cyg und gamma Del; die offenen Sternhaufen h und chi Per, M11 und NGC 6633; die Kugelsternhaufen M3, M5, M13, M15, M22 und M92; die Gasnebel M16 (Adlernebel), M17 (Omeganebel), M27 (Hantelnebel) und M57 (Ringnebel); sowie die Galaxien NGC 205, M31 (Andromedanebel), M32, M33 (Dreiecksnebel), M49, M51, M63, M64, M77, M81, M82, M87, M94, M101, M104 (Sombreronebel) und M106. |