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Erlebnisbericht

Sonnenfinsternis in Oberschlesien - ein Beobachtungsbericht
von Christoph Rollwagen
Drei Potsdamer schildern in ihrem Beobachtungsbericht, wie sie der dichten Wolkendecke entflohen, die vielen in Deutschland einen Blick auf die verfinsterte Sonne am 4. Januar verwehrte.
Sonnenfinsternis "On the Rocks"
Beobachter in Europa, Teilen Asiens und dem orientalischen Raum konnten am Morgen des 4. Januar 2011 eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die dunkle Silhouette des Mondes langsam über die strahlend helle Sonnenscheibe hinweg zog und diese bis zu 85% ihres Durchmessers abdeckte. Je nördlicher sich der Beobachter befand, desto größer fiel der zu beobachtende maximale Bedeckungsgrad aus.

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Sichtbarkeitszone der partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011
Ungünstige Wettervorhersage
Am Vorabend des Finsternistags prognostizierten die Wettervorhersagen eine weitgehend geschlossene Wolkendecke für ganz Deutschland. Nur jenseits der Staatsgrenzen sollten demnach bessere Bedingungen zu finden sein. Nachdem wir - ein dreiköpfiges Team von Finsternis-Enthusiasten - in den Jahren 2006, 2008 und 2009 in den Genuss totaler Verfinsterungen der Sonne kommen konnten, wollten wir uns auch diese - wenn auch nur partielle - Eklipse nicht entgehen lassen. Daher entschieden wir, eine etwa 500 Kilometer weite Fahrt in den Süden Polens anzutreten, wo für die Zeit der Finsternis ein wolkenfreier Himmel angekündigt wurde.
Nächtliche Fahrt nach Oberschlesien
Wir brachen um etwa 23 Uhr auf und fuhren die ganze Nacht hindurch - zunächst in Richtung Breslau, später weiter gen Krakau und entschlossen uns nahe Oppeln, die Autobahn in Richtung Süden zu verlassen, um einen leicht erhöhten Beobachtungsstandort mit günstiger Horizontsicht aufzusuchen. Schon in der Nacht trafen wir hervorragende Wetterverhältnisse an. Aus dem Auto heraus konnten wir sogar ein paar Meteore des Quadrantiden-Stroms über den klaren dunklen Winterhimmel ziehen sehen.

Nachts waren die Temperaturen in der Region weit unter -10 Grad Celsius gefallen. Über den Feldern breiteten sich vielerorts dichte Nebelbänke aus, denen wir in der anbrechenden Morgendämmerung entfliehen mussten. So kam es, dass wir unseren endgültigen Beobachtungsplatz erst etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang gefunden hatten. In der Nähe des kleinen Dorfs Szczyty (ehem. Tscheidt) wurden in aller Eile mehrere Stative und Kameras aufgestellt, um keine Sequenz des kurz bevorstehenden Schattenspiels zu verpassen.
Überraschung bei Tagesanbruch
Wir erwarteten, die Sonne bereits verfinstert aufgehen zu sehen, da wir uns zuvor auf die lokalen Gegebenheiten dieser Finsternis für Potsdam vorbereitet hatten. Unsere Überraschung war recht groß, als dann ein zwar elliptisch deformierter, aber weitgehend runder Feuerball hinter dem fernen Waldrand emporstieg.

Christoph Rollwagen
Aufgang der Sonne kurz vor Beginn der partiellen Sonnenfinsternis

Christoph Rollwagen, YouTube
Das Video zeigt den Aufgang der noch unverfinsterten Sonne am Morgen des 4. Januar 2011 kurz vor dem Beginn der partiellen Sonnenfinsternis in Szczyty nahe Opole, Polen

Rings um uns herum erblickten wir die im Lichterspiel des höher steigenden Zentralgestirns glitzernde, mit Schnee und Eis bedeckte endlose Bilderbuch-Landschaft Oberschlesiens. Es war ein eindrucksvoller Aufgang einer tiefrot verfärbten Sonne in der knackig kalten Winterlandschaft, der schöner einfach nicht hätte sein können.

Christoph Rollwagen
Landschaftsimpressionen kurz nach Sonnenaufgang
Finsternis
Wenige Minuten später konnte ein Teil der Silhouette des Mondes als kleine Kerbe am westlichen Sonnenrand ausgemacht werden - der erste Kontakt trat ein. Unser östlich gelegener Standort ließ es also überraschend zu, dass wir die Finsternis in voller Länge beobachten konnten.

Christoph Rollwagen, YouTube
Das Video zeigt den gesamten Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011 (2 Stunden 50 Minuten) als Zeitraffer-Wiedergabe. Die 506 Einzelbilder wurden aufgenommen in Szczyty nahe Opole, Polen.

In den folgenden drei Stunden hielten wir uns mit Jux, Dollerei und etwas Tee aus der Thermokanne warm. Wir guckten, fotografierten und winkten vorbeifahrenden Dorfbewohnern zu, die unsere ungewöhnliche Erscheinung recht skeptisch beobachteten.

Christoph Rollwagen, YouTube
Das Video zeigt die Bedeckung des Sonnenflecks 1140 während der Partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011

Im Süden Polens wurde die Sonne durch den Neumond bezüglich ihres Durchmessers zu knapp 80% abgedeckt. Dies entspricht einer Verfinsterung der Sonnenfläche von fast 73%. Die recht deutliche Abschattung führte zu einer sichtbaren Veränderung der natürlichen Beleuchtungsverhältnisse. Während des Maximums erschien der zuvor stahlblaue Himmel etwas farblos, die Landschaft in ungewöhnlich fahlem Licht.

Christoph Rollwagen, Matthias Kleinke
Beobachtung der partiellen Sonnenfinsternis

Durch Finsternis-Brillen blickten wir auf eine irreal erscheinende sichelförmige Finsternis-Sonne, die nur 10 Grad hoch über dem Südost-Horizont stand. Kurz vor dem Ende der Finsternis ließ der Zufall es zu, dass wir eine Doppelfinsternis ablichten konnten - ein Flugzeug überquerte just in dem Moment die Sonnenscheibe, als die automatische Belichtung ein Foto auslöste.

Christoph Rollwagen
Ansichten der partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011
Heimreise
Berufsbedingt mussten wir leider noch am gleichen Tag die Heimreise antreten. Auch die Übermüdung konnte unserer Freude über den Erfolg der spontanen Reise keinen Abbruch tun. Wieder einmal erwies sich für uns die Bereitschaft zur Mobilität als Garant für eine erfolgreiche Finsternis-Beobachtung.

Christoph Rollwagen
Collage der partiellen Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011
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