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Entdeckung

10. Kometen-Entdeckung von Don Machholz am frühen Morgen
Adam Block (NOAO), AURA, NSF
Komet Machholz im Dezember 2004 - der Schweifstern zeigte bereits eine ausgeprägte helle Koma, einen weißen stark gekrümmten Staubschweif und einen langen dünnen Ionenschweif.
Der Kometen-Beobachtungsveteran Don Machholz aus dem kalifornischen Colfax konnte am 27. August 2004 im Sternbild Eridanus (Fluss) den zu diesem Zeitpunkt noch recht lichtschwachen Kometen entdecken. Eine erste aus einigen Beobachtungen errechnete Umlaufbahn zeigte schon sehr bald, dass der Komet zur Jahreswende 2004/2005 am Abendhimmel möglicherweise sogar mit dem bloßen Auge sichtbar werden könnte.

Während der frühen Morgenstunden des 27. August 2004 erkannte Machholz das Objekt als einen kleinen schwachen Lichtfleck 11. Größe im Okular seines 6-Zoll f/8 Criterion Dynascope Spiegelteleskops bei 30facher Vergrößerung. Schon wenig später war klar, dass es sich hierbei um eine Kometenentdeckung gehandelt hat.

Donald E. Machholz wurde eigenen Angaben zufolge bereits Anfang 1975 von der Lust gepackt, Schweifsterne am Himmel aufzustöbern und wurde während seiner 30-jährigen Karriere reichlich belohnt. Der erst im Jahr 2004 entdeckte Komet C/2004 Q2 ist bereits die 10. Entdeckung eines Besensterns durch den Kometen-Beobachtungsveteran. Alle entdeckten Objekte tragen somit seinen Namen.
Die Entdeckung des Kometen Machholz
von Don Machholz, Übersetzung: Christoph Rollwagen

Als ich am Freitag, den 27. August 2004 um 03:20 Uhr in der Frühe - 3 Stunden früher als gewöhnlich - aufstand, wusste ich, was ich tun wollte. Dieser Morgen schien mir eine seltene Gelegenheit für die Kometenjagd zu bieten. Ich besitze ein selbst gebautes Observatorium 30 Mater von meinem Haus entfernt. Hier führe ich die meisten Beobachtungen durch. Darin befinden sich mein 10-Zoll-Spiegelteleskop (mit dem ich bereits 4 Kometen entdeckt habe), ein 5-Zoll Fernglas (4 Kometen) und ein unmontierter handgefertigter 5-Zoll Refraktor, der zurzeit in der Ecke steht (1 Komet). Das große Spiegelteleskop und das Fernglas habe ich schon in den vorherigen Augusttagen benutzt, um am Morgenhimmel nach Kometen Ausschau zu halten. Diesmal nutze ich ein anderes Instrument von der hinteren Terrasse meines Hauses aus, um den südlichen Himmel überschauen zu können.

Don Machholz
6-Zoll f/8 Criterion Dynascope Spiegelteleskop
Das Teleskop für die morgendliche Beobachtung war ein 6-Zoll f/8 Criterion Dynascope Spiegelteleskop, das ich zu Weihnachten 1968 gekauft hatte. Damals kostete es 200 US-Dollar. Dieses Teleskop zeichnet sich durch besonders gute Optiken aus - der Hauptspiegel besitzt noch immer seine ursprüngliche Vergütung. Dieses Teleskop, das als einziges einen Antrieb besitzt, nutze ich vor allem für öffentliche und private Star Partys, die ich jedes Jahr veranstalte. Das Okular, das ich an jenem Morgen benutzte, hat einen äußeren Durchmesser von 2 Zoll. Ich habe es angepasst, so dass es über den Okularauszug passt und ein Sichtfeld von 1,8 Grad liefert. Die Vergrößerung liegt ungefähr beim Faktor 35. Häufig nutze ich diese Kombination um Interessierten die Galaxie M24 auf Star Partys an dunklen Orten zu präsentieren. Manchmal schwärmen unsere Gäste, dass dies das schönste ist, was sie in der ganzen Nacht gesehen haben. Zudem nutze ich diese Zusammenstellung für die Durchführung des Messier-Marathons. Beim letzten Versuch im Frühling 2004 in Südkalifornien konnte ich so alle 110 Objekte aus dem Gedächtnis auffinden. Diese leistungsstarke Kombination aus Teleskop und Okular ist für mich sehr komfortabel. Ich war bereits zwei Tage zuvor früh aufgestanden, um die erste Hälfte des südlichen Himmels abzusuchen, nun kam ich wieder, um diese Aufgabe fortzusetzen.

Nachdem ich die US-amerikanische Flagge aus ihrer Verankerung an der Ecke meines Observatoriums genommen und sie gegen das Geländer gelehnt hatte, war die Sicht auf den morgendlichen Himmel frei. Ich begann meine Beobachtung um 03:35 Uhr in der Frühe an der Stelle des Himmels, an der ich zwei Tage zuvor aufgehört hatte. Mit einer Augenklappe über meinem linken Auge sah ich mit dem rechten in das Okular und schwenkte langsam in Richtung des südlichen Horizontes über den dunklen Himmel. Wenn ich am Horizont angekommen war, bewegte ich das Teleskop wieder zur ursprüngliche Position, dann etwas ostwärts und mit dem Blickfeld erneut in Richtung Horizont. In diesem Gebiet gibt es zahlreiche Galaxien, von denen ich einige erkannt habe: NGC 1316, 1398, 1395, 1399, 1404 und den Planetaren Nebel NGC 1360, den ich 1977 irrtümlicher Weise als mögliche Kometenentdeckung gemeldet hatte. Jedes dieser Objekte könnte auf den ersten Blick auch die schwache Koma eines blassen Kometen sein. Mit meinem Himmelsatlas, den ich an diesem Morgen bei mir trug, überprüfte ich die Gestalt jedes dieser Objekte. In diesen Karten sind die meisten Galaxien und Nebel verzeichnet, auf die ich bei der Kometenjagd stoße.

Don Machholz
Himmelsposition auf der Sternenkarte
Um 04:12 Uhr traf ich auf ein eher kleines, schwaches nebliges Objekt. Ich sah genauer hin, um zu erkennen, ob es sich um einen Doppelstern oder eine kleine nah beieinander stehende Sternengruppe handelte, die einfach etwas verwaschen erschienen. Da jedoch war nicht der Fall. Ich griff nach meiner Sternenkarte, um nachzusehen, ob es in dieser Region bekannte Galaxien oder Nebel gibt. Ich brauchte einige Minuten, um anhand der Sternenkarte exakt zu bestimmen, wo am Himmel ich mich mit meinem Sichtfeld befand. Der Himmelsatlas wies für die Region nichts aus.

Don Machholz
Himmelsposition im Uranometria 2000.0
In meinem Observatorium befand sich ein noch detaillierterer Uranometria 2000 Atlas, ich zusammen mit unserem Hund Shadow holen ging. Auch dieser zeigte in der betreffenden Himmelsregion kein Objekt. Ich markierte die Position in der Karte mit Datum und Zeit. Zudem fertigte eine Zeichnung des Gebietes an, die die Position des Kometen in Relation zu den umgebenden Sternen zeigt. Wenn es sich bei dem beobachteten Objekt um einen Kometen gehandelt haben sollte, so hätte dieser eine Ortsveränderung innerhalb der nächsten Stunde gezeigt. Die genaue Zeichnung würde mir also bei der Bestimmung der Ortsveränderung und der Bewegungsrichtung behilflich sein. Die Zeichnung zeigt die Ansicht in meinem Teleskop, Süden ist also oben.

Don Machholz
Zeichnung der beobachteten Position
Eine noch detailliertere Sternenkarte befindet sich auf dem Computer in meinem Haus. Der Hund, der mir überallhin folgt, und ich gingen hinein. Ich schaltete den Computer ein, um mit dem Programm The Sky noch lichtschwächere Objekte auszumachen. Das Programm zeigte im betreffenden Gebiet einige Sterne der 15. Größenklasse - zu schwach, um von mir erkannt zu werden.

Ich vermutete, dass es sich bei dem von mir beobachteten Objekt um einen schon bekannten Kometen handeln könnte. Es kommt häufig zu Beobachtungen von nur kurz zuvor entdeckten Kometen, möglicherweise handelte es sich auch hierbei um ein solches Objekt. Auf der Internetseite, die solche Kometen veröffentlicht http://www.aerith.net/, vergewisserte ich mich, doch auch hier war kein Komet innerhalb des von mir beobachteten Himmelsareals aufgezeigt. Die Uhr zeigte nunmehr 04:37. Ich hatte das Objekt erstmal 25 Minuten zuvor beobachtet. Bis zur anbrechenden Morgendämmerung, die jede weitere Beobachtung unmöglich machen würde, sollten noch 40 Minuten vergehen.

Ich ging also hinüber zum Observatorium und entpackte meinen 10-Zoll Spiegelteleskop. Bei 64facher Vergrößerung konnte ich das Objekt recht schnell wieder auffinden. Dass das Objekt erschien hier neblig und rund. Anhand der näheren Sterne erschien es, als hätte sich das Objekt zwischenzeitlich ein Stück weit bewegt. Ich entpackte nun auch mein selbst gebautes Kometen-Fernglas und untersuchte den frischen Kometen. In diesem Instrument war der verwaschene Fleck zwar sichtbar, allerdings nur sehr schwer zu erkennen.

Don Machholz
Don Machholz mit seinem Spiegelteleskop
Ich ging danach zurück ins Haus und versuchte meine Familie zu wecken. Meine Frau wollte um diese Zeit Ihr Bett nicht verlassen, um sich das Objekt anzusehen. Auch meine beiden Söhne waren zu müde um wach zu werden. Als ich wieder hinausging, gesellte sich meine Frau doch noch zu mir und versuchte den Kometen zu erkennen. Aufgrund der schwachen Sichtbarkeit konnte sie das Objekt jedoch nur sehr schlecht ausmachen.

Ich ging zurück ins Haus und begann den Bericht über die Beobachtung eines bislang unbekannten Kometen an das Smithsonian Astrophysical Observatory’s Central Bureau for Astronomical Telegrams (CBAT) zu schreiben, um die erwartete Bestätigung und Anerkennung der Entdeckung zu erhalten. Das CBAT ist die zentrale Anlaufstelle für Veröffentlichungen neu entdeckter Kometen.

Danach vergewisserte ich mich auf der WebSite http://scully.harvard.edu/~cgi/SkyCoverage.html http://scully.harvard.edu/~cgi/SkyCoverage.html, ob dieser Himmelsbereich bereits von automatisierten Suchprogrammen untersucht worden ist. Auch dies war nicht der Fall. Seit einigen Jahren gibt es eine zunehmende Anzahl von automatisierten Teleskopen, die durch die US-Regierung finanziell unterstützt werden und den Himmel nach Asteroiden und Kometen durchmustern, die eines Tages eine Gefahr für die Erde darstellen könnten. Im Laufe der nächtlichen automatischen Suchprogramme nehmen diese Instrumente viele der Kometen auf, die normalerweise von Amateurastronomen entdeckt werden würden. Die Kometen werden dann nach den Programmen benannt, die die Objekte aufspüren: LINEAR, NEAT, LONEOS, Spacewatch, Catalina. Hierbei werden vor allem Himmelsbereiche durchsucht, die sich fernab der Sonne befinden. Durchmusterte Regionen werden im Internet veröffentlicht. Als ob das nicht genug wäre, deckt eine Raumsonde namens SOHO das die Sonne umgebende Himmelsareal durch nahezu ständige Beobachtungen ab. Die regelmäßig angefertigten Bilder werden im Internet veröffentlicht und jeder Betrachter hat die Möglichkeit hier gegebenenfalls abgebildete (für gewöhnlich) winzige Kometen zu entdecken, während diese sich der Sonne annähern und teilweise vollständig verdampfen. Diese Kometen tragen dann den Namen SOHO. Die Raumsonde SOHO trägt zudem ein Kamerasystem namens SWAN mit sich, das den Rest des Himmels überwacht. Auch dieses System hat in der Vergangenheit Kometen entdeckt.

Mit dem Aufkommen solcher Suchprogramme haben viele Amateure die visuelle Jagd nach neuen Kometen aufgegeben. Manche sind dazu übergegangen, an Teleskope angebrachte CCD-Detektoren einzusetzen, die in kleinen Himmelsbereichen auch noch sehr schwache Objekte erspähen können. Solche Amateure versuchen mit eigenen Mitteln automatische Suchprogramme zu schlagen. Ich habe meine visuelle Suche ohne Unterbrechung fortgesetzt. Pro Monat investiere ich mindestens eine Stunde oder mehr, seitdem ich mit der Kometenjagd am 1. Januar 1975 begann. In der Vergangenheit habe ich bis zu 553 Stunden im Jahr mit der Suche verbracht, derzeit sind es noch ungefähr 100 Stunden. Hierbei konzentriere ich mich auf Bereiche des Himmels die am wahrscheinlichsten unentdeckte Kometen beherbergen. Die dem zugrunde liegende Vermutung basiert auf vielen Faktoren, einschließlich der Information, welche Bereiche bereits von automatischen Systemen durchsucht worden sind.

Don Machholz
Dämmerung am Beobachtungsort
Kurz nach 5 Uhr morgens befand ich mich wieder draußen am 10-Zoll-Teleskop, um die Helligkeit, die Größe und die Form des Kometen einzuschätzen. Er besaß keinen Schweif. Er zeigte eine Bewegung in östliche Richtung und möglicherweise, so erschien es mir jedenfalls, auch etwas in nördliche Richtung. Später erfuhr ich, dass seine tatsächliche nach berechnete Bewegung den Kometen 20 Bogenminuten (ein Drittel Grad) pro Tag in östliche und leicht südliche Richtung führte. Innerhalb einer Stunde hatte sich der Komet also nur weniger als eine Bogenminute weit fortbewegt, ein sehr kleiner Wert. Letztlich verlor ich dem Kometen durch das Einbrechen der Morgendämmerung aus den Augen, so ging ich ins Haus um den Bericht zu versenden.

P. Birtwhistle
Komet C/2004 Q2 (Machholz) am 28. August 2004 um 03h43 UT, Koma- Durchmesser ca. 70", Schweif ca. 5 Bogenminuten, 2x 30 Sekunden belichtet, Norden ist oben, Optik: 300mm f/6,3 Schmidt- Cassegrain + CCD
Seit meinem letzten Fund vor fast 10 Jahren (meinem neunten Kometen) verbrachte ich 1457,25 Stunden mit der visuellen Suche. (Meine unabhängige Entdeckung des periodischen Kometen de Vico am 18. September 1995 wurde nicht berücksichtigt und trägt somit nicht meinen Namen.) Insgesamt habe ich bisher 7046,25 Stunden mit der Kometenjagd verbracht.

Ich verfasste die E-Mail und sendete sie an das Central Bureau for Astronomical Telegrams (CBAT). Die gleiche Nachricht schickte ich ihnen danach auch per Fax zu. Mit einem Anruf bestätigte ich mir, dass die Nachricht dort eingegangen war. Danach machte ich mich fertig, um zur Arbeit zu gehen. Ich arbeite als Forschungs- und Entwicklungstechniker bei Coherent, einem Laser- und Optikhersteller und zudem als Immobilienmakler.

Sechs Stunden später informierte mich Dan Green vom CBAT, dass die Kometenentdeckung durch Sichtungen von Robert McNaught und G. Garradd bestätigt worden war. Der Komet erhielt die Bezeichnung C/2004 Q2, am nächsten Tag wurde der Name Machholz hinzugefügt.
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