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Galileo

Die Erforschung des Jupiter
Seit ihrer Ankunft im Jahre 1995 untersuchte die Galileo-Mission den Riesenplaneten Jupiter und seinen Monde acht Jahre lang. Galileo war eine der erfolgreichsten Missionen zur Erkundung unseres Planetensystems. Während der Missionszeit konnten zahlreiche zum Teil dramatische Bilder und überraschende wissenschaftliche Daten des jovianischen Systems gewonnen werden.
Die Mission - Erkenntnisse und Erfolge
Im Laufe der unerwartet langen Missionszeit ist Galileo zu einer altersschwachen Sonde geworden. Die immense Strahlung im Jupiter-System hat der Forschungssonde im Laufe der Jahre arg zugesetzt. Doch Galileo überstand letztlich sogar die vierfache Strahlendosis, derer es zu widerstehen konstruiert war.

AP/NASA/JPL
Jupitersonde Galileo bei seiner Erkundungsreise im Jupitersystem
Galileo fand Hinweise für das Vorhandensein von unterirdischen Salzwasserschichten auf den Monden Europa, Ganymed und Callisto und entdeckte Gebiete vulkanischer Aktivität auf Io.Die Sonde war die erste ihrer Art, die auf ihrem Kurs zum Jupiter äußerst nahe an einem Asteroiden vorbeiflog und diesen untersuchen und dabei sogar einen Mond entdecken konnte.

Galileos Primärmission endete bereits im Jahren 1997, nachdem sie den Jupiter schon zwei Jahre lang umrundet hatte. Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA verlängerte die Mission drei Mal, um die Vorteile Galileos wertvoller wissenschaftlicher Kapazität bestmöglich auszureizen. Vom Start bis zum Einschlag auf Jupiter reiste Galileo insgesamt 4.631.778.000 Kilometer weit durch das Sonnensystem.

NASA/JPL
Galileo kurz nach dem Start aus der Ladebucht des Space Shuttle Atlantis
Die 14-jährige Reise Galileos begann im Oktober 1989 mit dem Start der Sonde aus der Ladebucht des Space Shuttles Atlantis heraus. Galileo holte mit nahen Vorbeiflügen bei der Venus und der Erde Schwung, um seine Eigenmasse von ungefähr zwei Tonnen durch den Asteroidengürtel hindurch zum größten Planeten des Sonnensystems zu manövrieren.

Während der 34 maligen Umrundung Jupiters sorgte die Mission für eine Folge von zahlreichen Entdeckungen. Galileo führte Langzeitbeobachtungen des gesamten jovianischen Systems durch und war die erste Raumsonde, die die Jupiteratmosphäre direkt mit einer eigens abgeworfenen Sonde untersuchen konnte.

NASA/JPL
Asteroid Ida mit Mond Dactyl - aufgenommen von Galileo
Die aufregende Liste Galileos Entdeckungen begann noch bevor die Sonde einen Blick von Jupiter erhaschen konnte. Als Galileo den Asteroidengürtel im Oktober 1991 durchquerte, konnte sie Bilder vom Asteroiden Gaspra anfertigen, die die ersten Nahaufnahmen eines Asteroiden darstellen sollten.

Nur etwas weniger als ein Jahr später erreichte Galileo den Asteroiden Ida. Die von diesem Objekt angefertigten Aufnahmen legten offen, dass der Asteroid von einem Mond umrundet wird. Das winzige Objekt besitzt einen Durchmesser von nur ungefähr 1,5 Kilometern und erhielt den Namen Dactyl - der erste jemals entdeckte Mond, der einen Asteroiden umrundet.

Wenige Jahre später konnte Galileo im nahen Anflug auf Jupiter aus nächster Nähe beobachten, wie die zahlreichen Bruchstücke des Kometen Shoemaker-Levy 9 mit der Atmosphäre des gewaltigen Planeten kollidierten und dort gewaltige Explosionen verursachten.

Nach ihrer sechsjährigen Anreise schwenkte die Sonde im Dezember 1995 in einen Orbit um den großen Planeten Jupiter ein. Eine kleine mitgereiste Kapsel tauchte zu diesem Zeitpunkt in die Atmosphäre des Planeten ein, um diese aus unmittelbarer Nähe zu erforschen.

Das Messinstrument traf mit hoher Geschwindigkeit in Jupiters obere Wolkenschichten auf und wurde in Folge dessen langsam aber beständig abgebremst. Auf dem finalen Weg ihres Abstiegs durch die Jupiteratmosphäre wurde die kleine Sonde zusätzlich durch einen Fallschirm gebremst, um sanft durch die Wolken gleiten zu können.

Ungefähr eine Stunde lang funkte die Mini-Sonde Daten direkt aus der tobenden Atmosphäre, die zum Großteil aus Wasserstoff, Helium- und Ammoniak besteht, zurück zu Galileo bis sie unter dem zunehmenden atmosphärischen Druck zerstört wurde.

Die kleine von Galileo abgetrennte Atmosphären-Sonde fertigte die ersten Vorort-Studien von Wolken und Winden an und erweiterte das wissenschaftliche Verständnis von der Entwicklung Jupiters. Die Sonde machte auch Messungen der Zusammensetzung der Atmosphäre, um den Grad der Evolution Jupiters im Vergleich zur Sonne nachvollziehen zu können.

Großer Roter Fleck - gigantischer Wirbelsturm in der Jupiteratmosphäre
Galileio machte die ersten Beobachtungen von Ammoniak-Wolken in einer fremden Planetenatmosphäre. Die Sonde beobachtete auch zahlreiche große Gewitter auf Jupiter, die um ein Vielfaches größer waren, als vergleichbare Stürme auf der Erde. Es konnten Blitzschläge aufgezeichnet werden, die bis zu 1.000 mal stärker waren, als die uns bislang bekannten.

Galileo war die erste Planetensonde, die in einer gigantischen Planeten-Magnetosphäre lang genug verweilte, um deren globale Struktur und Dynamik zu erforschen.

Jupiters Ringe
Galileo fand heraus, dass das Ringsystem Jupiters aus Staub besteht, der sich hauptsächlich aus aufgefangenen interplanetaren Meteoroiden zusammenstezt, die im Laufe der Zeit wieder auf die inneren Jupitermonde stürzen. Galileos Daten zeigten auch, dass Jupiters äußerer Ring tatsächlich aus zwei Ringen besteht, wobei einer in den anderen intergriert ist.

NASA/JPL
von zahlreichen Vulkanen vernarbte Oberfläche des Mondes Io - aufgenommen von Galileo
Galileo untersuchte intensiv die geologische Vielfalt der vier größten Jupitermonde Ganmed, Kallisto, Io und Europa. Galileo fand heraus, dass Io's umfangreiche vulkanische Aktivität ca. 100 fach stärker ist, als die auf der Erde vorgefundene.

Beobachtungen zeigten, dass der Mond Europa unter seiner gefrorenen aus Wassereis bestehenden Oberfläche einen bis zu 100 Kilometer tiefen Ozean aus Salzwasser verbergen könnte Europa würde demzufolge mehr als zwei Mal so viel Wasser beinhalten, wie die Meere der Erde. Auch Ganymed und Kallisto könnten den Daten Galileos zufolge flüsige Salzwasserschichten besitzen.

Die bedeutendste Entdeckung bezüglich des Jupitermonds Ganymed war das Vorhandensein eines Magnetfeldes. Bislang existiert kein weiterer bekannter Mond in unserem Sonnensystem, bei dem ein Magnetfeld nachgeiesen werden konnte.

Während Galileos vorletztem Vorbeiflug am Jupitermond Almathea wurden vom Sternen-Scanner der Sonde Lichtblitze beobachtet, die ein Hinweis auf kleine felsige Trümmer sein könnten, die den Planeten Jupiter möglicherweise auf Almatheas Umlaufbahn nahe des kleinen Mondes umrunden.

Eine weitere Messung wurde während Galileos finalem Vorüberflug durchgeführt. Die Ananlysen könnten zu der Erkenntnis eines bislang unbekannten Ringes um Jupiter entlang der Almathea-Umlaufbahn führen.
Die Galileio-Mission in Zahlen und Fakten
Entwicklung/Planung 12 Jahre
Interplanetare Reise 6 Jahre
Umrundung Jupiters fast 8 Jahre
Ursprüngliche Idee Oktober 1977
Ursprünglicher Name Jupiter Orbiter Probe Mission
Start 18. Oktober 1989 von Bord des Space Shuttle Atlantis
Venus-Vorbeiflug 10. Februr 1990
erster Erdvorbeiflug 8. Dezember 1990
Vorbeiflug am Asteroiden Gaspra 29. Oktober 1991
zweiter Erdvorbeiflug 8. Dezember 1992
Vorbeiflug am Asteroiden Ida 28. August 1993
Beobachteter Aufprall des Kometen Shoemaker-Levy auf Jupiter Juli 1994
Ankunft bei Jupiter 7. Dezmber 1995
Umrundungen Jupiters 35
Ende der Mission 21. September 2003
Gesamte Reisedistanz 4,631,778,000 Kilometer
Verbrauchter Treibstoff 925 kilograms Hydrazin
Zurückgesendete Datenmenge mehr als 30 Gigabyte
Zurückgesendete Bilder rund 14.000
Mitarbeiter bis zu 300
Spektakuläres Ende einer achtjährigen Forschungsreise
Am 21. September 2003 fand die Galileo-Mission mit dem Eintauchen der Sonde in die Atmosphäre des gewaltigen Himmelskörpers ein feuriges Ende. Beinahe 14 Jahre nach ihrem Start auf der Erde verglühte die US-amerikanische Raumsonde in den Wolken des Jupiter.

NASA/JPL/UA/UC
Von zahlreichen überlagerten Bruch- stellen gezeichnete Oberfläche des eisigen Jupitermonds Europa
Die Raumsonde Galileo wurde letztlich auf einen Kollisionskurs mit der Jupiteratmosphäre geschickt, um die Möglichkeit auszuschließen, jemals auf dem Jupitermond Europa niedergehen zu können. Aufgrund der Forschungsergebnisse Galileos vermuten die Wissenschaftler, dass sich auf Europa möglicherweise Lebensformen entwickelt haben könnten.

Um deren mögliche Existenz nicht zu gefährden, verglühte Galileo am 21. September kontrolliert in der äußerst dichten Atmosphare des Gasplaneten. Das Maneuver war nötig geworden, da das zur Ausrichtung der erdgerichteten Antenne und für weitere Kurskorrekturen nötige Hydrazin an Bord fast vollständig aufgebraucht war. Ohne Treibstoff hätten die Wissenschaftler auf der Erde jede mögliche Kontrolle über Galileo verloren.

Die unbeantwortete Frage, ob tatsächlich Leben in einem Ozean unter der Eiskruste Europas existiert, treibt die Pläne für künftige Missionen zum Jupiter und dessen möglicherweise lebensspendenden Mond Europa voran.

Künstlerische Darstellung von Galileo beim Verglühen in der Atmosphäre Jupiters
Der Eintrittspunkt in die Jupiteratmosphäre befand sich nur sehr wenig südlich des Äquators des Riesenplaneten. Der imaginäre Beobachter in der Jupiteratmoshäre hätte beoachten können, wie Galileo von einem Punkt circa 22 Grad über dem Horizont aus in die Atmosphäre eintrat. Die Sonde schoss mit einer Geschwindigkeit von etwa 48,2 Kilometern pro Sekunde in die Gashülle des Planeten.
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