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1999

Gewaltiges Feuerwerk der Leoniden
Das Maximum 1999
Juraj Toth
Leonidenschauer
Die von der NASA ständig ermittelte Zenitalrate betrug am Vormittag des 17. November 1999 noch ungefähr 30 Meteore pro Stunde. Weltweit erwarteten die Astronomen mit dem in der darauf folgenden Nacht eintretenden Maximum der Leonidenaktivität jedoch einen deutlichen Anstieg auf 500 bis 5.000 Meteore pro Stunde.

Im Vorfeld war nicht bekannt, ob das erwartete Maximum fast vollkommen ausbleiben würde, oder ob ein regelrechter Meteorsturm zu beobachten sein würde, da die Vorhersagen für Meteorströme für gewöhnlich sehr unsicher sind. Einige Meteorforscher behaupteten, es werde 1999 zu einem eher mäßigen Ausbruch kommen, dafür würden die Leoniden aber in den Jahren 2000 und 2002 beachtliche Himmelsfeuerwerke bereiten.

Heftige Aktivität zum vorherberechneten Zeitpunkt

astrocorner.de
Aktivität während des Maximums 1999 - die NASA registrierte eine ZHR von 1.688
Um kurz nach 03 h MEZ kam es am Morgen des 18. November 1999 zum Ausbruch des Leonidenstroms. Mit einer stündlichen Zenitalrate (ZHR) von 1.688 (NASA-Angaben) sorgten die Leoniden für einen regelrechten Sternschnuppenregen. Alle paar Sekunden konnte man eine Sternschnuppe nach der anderen über den Himmel schießen sehen.

Von Deutschland aus war dieses Ereignis größtenteils unbeobachtbar, da zum Zeitpunkt der maximalen Leonidenaktivität eine dichte Wolkendecke den Blick nach oben verhüllte. Beobachtungsberichten aus Malaga (Spanien) zufolge, lag die stündliche Zenitalrate sogar bei 3.000-4.000 Meteoren pro Stunde.
 
V. Winter, J. Dudley
Helle Feuerkugel
Dieser Wert lag deutlich über den Erwartungen von etwa 1.000 Meteoren pro Stunde. Die Erde durchquerte den Teil des Kometenschweifs, der sich während des Periheldurchlaufs im Jahre 1899 entwickelte, also nur 100 Jahre zuvor. Somit waren wesentlich mehr Meteore als 1998 zu beobachten, darunter auch viele lichtschwache Sternschnuppen. Helle Feuerkugeln, die im Vorjahr die Leoniden bestimmten, konnten 1999 eher selten beobachtet werden. Größtenteils erschienen Sternschnuppen normaler Helligkeit, die teilweise beeindruckende Nachleuchtspuren hinterließen.

Beobachtungsberichte

Christoph Rollwagen [»eMail]

Ich bin heute morgen um kurz nach 2 - über das Wetter noch sehr pessimistisch gestimmt - aufgebrochen, um zu meinem Beobachtungsort etwas nördlich von Brandenburg an der Havel zu fahren. Dort angekommen konnte ich erst einmal nichts erkennen, da der gesamte Himmel bedeckt war. Doch als sich wenige Minuten nach 3 - also pünktlich zum vorhergesagten Maximum - das erste Wolkenloch öffnete, rasten auch schon die ersten Leoniden über den Himmel. Schnell die Kamera aufgestellt und einige Fotos gemacht, doch aus Langzeitbelichtungen wurden Kurzzeitbelichtungen, da die ersten Wolken schnell wieder herangezogen kamen. Ich konnte von ca. 03h05-03h10 MEZ durchschnittlich alle 5 Sekunden eine Leonide erkennen, obwohl ich nie mehr als ein fünftel des gesamten Himmels wolkenfrei erkennen konnte. Die Meteore hatten größtenteils Helligkeiten von ca. 0 bis -1 mag und zeigten jedes mal deutlich grünliche Nachleuchtspuren, die teilweise ca. 1-2 Sekunden lang erkennbar blieben.

Hans Zekl [»eMail]

Frust. Wie so oft liegt Deutschland bei einem astronomischen Ereignis unter einer geschlossenen Wolkendecke. Die Tage zuvor gab es tagsüber Sonnenschein und nachts klaren Himmel. Aber am 16. zogen Wolken auf, am Abend begann es dann zu regnen. Der Wetterbericht war niederschmetternd. Regen, Schnee und nichts als Wolken. Da bleibt nur noch die Hoffnung, daß die Wetterpropheten vielleicht doch wieder daneben lagen wie bei der Sonnenfinsternis, nur daß es diesmal umgekehrt abläuft.
Der 17. November begann mit Schneefall, und das an der sonst so warmen Bergstraße. Der Schnee wandelte sich in Regen, aber der Himmel blieb dunkelgrau. Noch am Abend leichter Sprühregen. Was tun? Letztes Jahr war Nebel. Aber im Elsaß war es klar und wir - meine Frau und ich - fuhren hin und konnten noch einige schöne, helle Leoniden beobachten. Also den Computer angeworfen und nach Satellitenbildern gesucht. Aber es sah schlecht aus, auch Frankreich war ziemlich zu. Erst westlich Paris schien es besser zu sein Aber zu weit weg. Am nächsten Tag mußten wir wieder arbeiten. Doch es zeigte sich ein kleiner Hoffnungsschimmer. Auf dem Satellitenfilm des Deutschen Wetterdienstes war ein Wolkenband zusehen, daß sich von der Nordsee nach Südosten bewegte. Gegen 19 Uhr lag es auf der Höhe von Münster in Nordrhein-Westfalen. Dahinter war lockere Schauerbewölkung zu sehen. Immerhin eine Chance. Sollte es das Band schaffen, rechtzeitig über uns hinweg zu ziehen? Also abwarten. In der Zwischenzeit gesurft und die astronomischen Newsgroups gelesen, ob es Berichte aus Asien und Australien gibt. Es gab nur wenige Nachrichten, aber immerhin schien die Aktivität bis zum Abend auf ca. 70 Leoniden pro Stunde gestiegen zu sein. Also noch kein verfrühtes Maximum. Jede Stunde das Satellitenbild angesehen. Das Band zieht weiter, aber es wird knapp, daß es bis zum voraus gesagten Maximum gegen 3 Uhr durch ist. Langsam fanden wir uns damit ab, daß wir nichts zu sehen bekommen würden. Der einzige zweifelhafte Trost bestand darin, daß wir doch zum Schlafen kommen würden. Um 0 Uhr 30 war der Himmel immer noch zu, aber nach dem letzten Satellitenbild lag das Wolkenband nun genau über uns (Einhausen bei Lorsch an der Bergstraße). Ich beschloß nun doch noch auszuharren. Wenn ich schon so lange wartete, dann kann ich auch noch bis 3 Uhr aufbleiben.
Meine Frau war schon längst eingeschlafen, ich folgte ihrem Beispiel. Gegen 1 Uhr 15 wachte ich nochmals auf. Nachdem ich die Toilette verlassen hatte, schaute ich noch mal nach draußen. Unglaublich, keine Wolke am Himmel, absolut klar, richtig blank geputzt war der Himmel. Die Müdigkeit war schlagartig weg. Ich weckte meine Frau. Schnell warm anziehen und raus. Wir fuhren mit dem Auto 300m (!) in die Felder außerhalb des Ortes. Es tat sich etwas. Immer wieder huschten helle Leoniden über den Himmel. Helligkeiten zwischen 2 und -2. Schwächere waren nicht zu sehen. Ich schätze, daß die Rate bei ca. 100/Stunde lag Nach 20 Minuten bezog sich der Himmel wieder. Wir stiegen wieder ins Auto, dort war es wärmer, und warteten. Aber die Wolke wollte nicht weichen. Aber im Westen waren Sterne zu sehen. Nach etwa 15 Minuten beschlossen wir in die Richtung zu fahren.
Wir fuhren nach Worms. Irgendwo westlich davon wollten wir in den Feldern unseren nächsten Beobachtungsplatz wählen. Hinter der A67 (Speyer - Mainz) bogen wir dann um 2 Uhr 30 etwa 10 km von Worm auf einen Feldweg ab. Der war völlig aufgeweicht. Aber egal. Es war klar, nur nach Osten befanden sich Wolken. Der Löwe stand gerade darüber. Und es ging los. Immer wieder jagten Sternschnuppen über den Himmel. Wir schauten vorwiegend nach Osten, aber eigentlich waren sie überall, auch im Westen tauchten immer wieder welche auf. Die Rate schnellte zusehends nach oben. Kamen die Leoniden anfangs etwa alle 10 Sekunden einzeln, tauchten immer mehr Paare gleichzeitig auf. Gegen 2 Uhr 50 wußten wir gar nicht mehr, wohin wir schauen sollten. Immer wieder rasten 3 oder 4 Sternschnuppen gleichzeitig fast parallel nebeneinander über den Himmel. Ihre Spuren leuchteten bis zu 3 Sekunden nach. So etwas hatten wir noch nicht gesehen. Immerhin hatten wir schon starke Perseiden mit 250 Sternschnuppen pro Stunde gesehen, aber jetzt waren das ca. 1800. Ich war mir nicht sicher, denn soviel Erfahrung habe ich nicht mit starken Sternschnuppenschauern. Es war einfach toll. Eine Sternschnuppe war schöner als die andere. Gegen 3 Uhr nahm die Aktivität wieder ab. Von Norden näherte sich ein breites Wolkenband. Doch um 3 Uhr 05 ging es wieder los. Etwa die Hälfte des Himmels war nun mit Wolken bedeckt. Aber in den freien Teilen jagten die Leoniden ständig über den Himmel. Meist waren mehrere gleichzeitig zu sehen. Selbst durch die noch relativ dünnen Wolken waren die hellen Mitglieder der Leoniden noch zu sehen. Nach 5 Minuten nahm die Aktivität deutlich ab. Nach 10 Minuten war der Himmel wieder zugezogen. Wir fuhren wieder nach Hause. Zufrieden und glücklich. Wir konnten es nicht fassen, daß genau zum Maximum die Wolkendecke aufgegangen war. Zuhause schaute ich noch im Internet nach. Bald waren dort die ersten Berichte zu lesen. Wir hatten tatsächlich das Maximum gesehen. Wie muß es erst bei den angekündigten Stürmen 2001 und 2002 sein? Das Modell von David J. Asher (Armagh Observatory, Nord-Irland) und Robert H. McNaught (Australien) ist wohl ziemlich gut und läßt noch größeres erwarten. Nach der Sonnenfinsternis war das der 2. Höhepunkt in diesem Jahr.

Torsten Baumbach [»eMail]

Als sehr pessimistischer Mensch (was Vorhersagen bzgl. Meteoriten-Schauern angeht) habe ich mich schon gegen 0 Uhr aus der Großstadt Gera in ländliches Gebiet aufgemacht um einen geeigneten Standort zu suchen. Gegen 0.45 fand ich dann einen mir geeignet erscheinenden Platz auf einem Feld mit fast uneingeschränkter Weitsicht in alle Richtungen und nur wenig Aufhellung durch die 10 km entfernte Stadt. Allerdings versprachen eine absolut dichte Bewölkung und unangenehmer Schneeregen (bei ca. -1°C) keinen Beobachtungserfolg. Trotzdem hielt ich mich mit Kaffee und Radio bei Laune... 2.45 Uhr immernoch kein einziges Wolkenloch. Eigentlich hielt mich nur noch die Hoffnung auf spätere Wolkenlücken verbunden mit einem späteren Maximum von einer Abfahrt zurück. Jedoch fast zeitgleich mit dem ersten Aufblitzen einer Wolke gegen 2.55 Uhr hörte der Niederschlag auf und die Wolkendecke lockerte sich. In der ersten Wolkenlücke (schätzungsweise 10% sichtbare Himmelshalbkugel) sah ich teilweise 2 Meteoriten gleichzeitig. Deren Spuren waren sehr lang und meistens sehr hell (ca. 90° vom Radiant entfernt). Öfters blitzen auch an verschiedenen Stellen die Wolken auf. Gegen 3Uhr war dann fast die Hälfte des sichtbaren Himmels frei. Mindestens alle 5 Sekunden war ein Meteorit zu sehen. Den bisherigen Schätzungen von mindestens 1800ZHR kann ich also nur zustimmen, wenn ich bedenke, daß ich auch öfters meinen Blick auf die Kamera und den Fernauslöser richtete, der just in diesem Moment seinen Geist aufgab.
Bis ca. 3.15 war keine merkliche Abnahme der Häufigkeit feststellbar. Dann wurde die Zeitlücke zwischen den einzelnen Schüben allmählich größer. Auffällig war für mich auch, daß die Leoniden häufig sehr helle und sehr lange Spuren zogen, die meistens 1-3 Sekunden nachleuchteten. Auf einem Zwischenstopp meiner Rückfahrt gegen 4.00 Uhr habe ich dann (bei inzwischem wolkenfreien Himmel) noch einen Leoniden gesehen, der schon fast als Bolide einzuschätzen war und einen breite Spur zog, die türkis bis grünlich gefärbt umrandet war. Es wurde also doch noch eine erfolgreiche Nacht. Ob trotz defektem Fernauslöser (mit eiskalten Händen habe ich dann versucht ohne Wackeln den Kameraauslöser lange genug zu drücken) ein paar Fotos geworden sind, werden wir vermutlich morgen wissen.
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