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Astro Corner » Wissen » Finsternisse » Sonnenfinsternisse » Archiv » 22.07.2009
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22.07.2009

Die längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts
Am 22. Juli 2009 konnte von einigen Gebieten Südostasiens aus die längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts beobachtet werden. In China zog der Kernschatten des Mondes über einige Millionenstädte hinweg - unzählige Menschen konnten viele Minuten lang einen Blick auf die verfinsterte Sonne erleben.

Christoph Rollwagen
Sequenz des gesamten Verlaufs der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009
Die Finsternis im Überblick
Christoph Rollwagen
Anblick des 2. Kontakts während der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009
Der Kernschattenpfad dieser außergewöhnlichen totalen Sonnenfinsternis erstreckte sich von Indien über Nepal, Bangladesch, Bhutan und Birma (Myanmar) nach China und überdeckte zudem einige japanische und pazifische Inseln im Stillen Ozean.

Die Finsternis erreichte eine maximale Totalitätsdauer von 6 Minuten und 38,8 Sekunden. Der Ort, an dem dieser Spitzenwert zu beobachten war, befand sich allerdings im Pazifischen Ozean und war daher nur mit Schiffen oder Flugzeugen zu erreichen.

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Verlauf der Kernschattenzone der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in Asien - abgesehen von einigen Inselgruppen im Pazifik verlief nur weniger als die Hälfte des Schattenpfads über dem kontinentalen Festland
Große Finsternisse
Christoph Rollwagen
Am 22. Juli 2009 war die Korona der Sonne mancherorts mehr als 6 Minuten lang zu sehen.
Die außergewöhnlich lange Bedeckungszeit der Sonnenscheibe durch den Mond wurde an diesem Tag erreicht, weil der Mond besonders nahe der Erde stand und die Erde zudem besonders weit von der Sonne entfernt war. Der Mond erreichte am Vortag der Finsternis sein Perigäum (erdnaher Bahnpunkt) und die Erde hatte ihr Aphel (sonnenferner Bahnpunkt) nur 18 Tage zuvor durchlaufen.

Der Mond wies am Finsternistag einen scheinbaren Durchmesser von 33,4 Bogenminuten auf, die Sonne erschien hingegen nur 31,5 Bogenminuten groß. Unter diesen Voraussetzungen konnte der recht groß erscheinende Mond die scheinbar kleinere Sonne besonders lange abdecken.

Theoretisch kann eine totale Sonnenfinsternis unter optimalen Voraussetzungen maximal 7 Minuten und 31 Sekunden dauern - solche Finsternisse sind jedoch äußerst selten. Betrachtet man die drei Saros-Zyklen, die derzeit die längsten totalen Sonnenfinsternisse einschließen, so wird ersichtlich, dass die Finsternis vom 22. Juli 2009 in diesem Jahrhundert alle anderen Eklipsen 'in den Schatten' stellt.

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Die 4 Saros-Zyklen 127, 136, 139 und 145 produzieren in diesem Jahrhundert die längsten totalen Sonnenfinsternisse. Dabei ist die Finsternis vom 22. Juli 2009 die längste.

Im Saros-Zyklus 136 folgte dieses Ereignis auf die legendäre große Mexikanische Sonnenfinsternis vom 11. Juli 1991. Damals betrug die maximale Verfinsterungsdauer sogar 6 Minuten und 53 Sekunden. Die Finsternis konnte unter anderem über Hawaii und Mexiko, sowie Teilen Latein- und Südamerikas beobachtet werden - für viele Anwesende ein unvergessliches Erlebnis.
Verlauf der Finsternis
Auftakt in Indien

Am Tag der Finsternis berührte der Kernschatten des Mondes die Erdoberfläche um 00:51:16,9 h UT im Arabischen Meer kurz vor der indischen Küste. Daraufhin zog die dunkle Zone in östliche Richtung über West-, Zentral- und Nordost-Indien hinweg.

Über das Dach der Welt

Um 00:58 h UT streifte der Kernschatten den Südenosten Nepals und bewegte sich daraufhin entlang der Südflanke des Himalayas. Der Mount Everest - der höchste Berg der Welt - befand sich nur rund 100 Kilometer nördlich der vom Kernschatten überstrichenen Zone.

Im weiteren Verlauf überflog der Schatten den Norden Bangladeshs sowie südliche und zentrale Bereiche Bhutans. Die Finsternisdauer betrug hier schon beachtliche 4 Minuten und 6 Sekunden, die Sonne stand dabei 21° über dem Horizont.

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Verlauf der Kernschattenzone der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in Indien

Durch das Reich der Mitte

Um 01:10 h UT - kurz nachdem der Schatten den nördlichen Zipfel Burmas (Myanmars) gestreift hatte - befand er sich bereits im südlichen tibetanischen Hochland. Im Laufe der darauffolgenden halben Stunde wurden in China unter anderem die Multi-Millionen-Städte Chengdu, Chongqing, Wuhan, Hefei, Hangzhou und Shanghai vom Kernschatten erfasst. Der Kernschattenpfad folgte dabei weitestgehend dem Verlauf des Jangtse, dem längsten Fluss Asiens.

Während des langen Weges durch das Reich der Mitte stieg die Finsternisdauer um mehr als eine Minute an. Südlich der chinesischen Küstenstadt Shanghai (etwas nördlich von Hangzhou) wurde auf der Zentrallinie eine Verfinsterungsdauer von 5 Minuten und 56 Sekunden erreicht. Die Sonne stand hier 57° über dem Horizont.

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Verlauf der Kernschattenzone der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in China

Millionen-Metropole Shanghai

Christoph Rollwagen
Blick auf die Chromosphäre kurz vor dem Ende der Totalität am 22. Juli 2009
Die in ihrem gesamten Verwaltungsgebiet 18,4 Millionen Einwohner zählende Stadt Shanghai befand sich einige Kilometer nördlich der Zentrallinie dieser Sonnenfinsternis. Hier dauerte die totale Verfinsterung 5 Minuten und 2 Sekunden lang an.

Die meisten angereisten Beobachter versuchten diese Finsternis nahe der chinesichen Metropole zu beobachten, da dieser Ort ein gelungener Kompromiss der Faktoren Finsternsdauer, Wetterprognose, Erreichbarkeit und Flexibilität darstellte. Leider trafen die Beobachter im Großraum Shanghai am Finsternistag eine weitgehend geschlossene Wolkendecke an.

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Erfolgreiche Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis zwischen Konglingcun und Qiantan nahe Jixi/Huangshan (Provinz Anhui)

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Aufnahmen des 2. Kontakts und der Korona während der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009

Tokara-Archipel

Danach verlies der Kernschatten das Festland und berührte nur noch einige wenige Inselgruppen. Etwa 600 Kilometer vor der chinesischen Küste zog der Kernschatten aus dem Ostchinesichen Meer kommend und in die Phillipiniensee voranstrebend zwischen den japanischen Inseln Kyushu und Okinawa hindurch. Hier - südlich des japanischen Festlands - wurden die kleineren Inseln des Tokara-Archipels (Tokara-Retto) verfinstert, welches zu den Ryukyu-Inseln gehört.

Die Finsternisdauer war bis zu diesem Zeitpunkt auf 6 Minuten und 21 Sekunden angewachsen - diese Angabe bezieht sich jedoch auf die Kernschattenmitte, die die Inseln je nach deren Lage mehr oder weniger verfehlte.

Auf Akuseki-Jima - fast genau auf der Zentrallinie - verschwand die Sonne 6 Minuten und 20,3 Sekunden lang. Die anderen sechs Inseln befanden sich etwas weiter von der Zentrallinie entfernt und boten daher eine mehrere Sekunden kürzere Totalität. Die größeren Inseln Yaku-Shima und Amami-O-Shima befanden sich zwar im Kernschattenpfad (Amami-O-Shima nur zum Teil), lagen jedoch am äußeren Rand dieser Zone und boten daher eine entsprechend kürzere Totalitätsdauer. Auf Yaku-Shima dauerte die Dunkelheit nur 3 Minuten und 51 Sekunden an.

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Verlauf der Kernschattenzone der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in Japan

Ogasawara-Inseln

Etwa 1.200 Kilometer weiter im Pazifik befinden sich südlich der Ogasawara-Inseln (auch: Bonin-Inseln) die beiden Vulkaninseln Kita-Iwo Jima (Ishinomura-Kitaio) und Iwo Jima, wobei die Sonne auf Kita-Iwo 6 Minuten und 36 Sekunden bedeckt wurde - hier wurde also die maximal mögliche Totalitätsdauer nur um weniger als drei Sekunden unterboten! Zudem prognostizierten die Vorhersagen der mittleren Wolkendichte für diese Insel die besten Konditionen im gesamten Finsternisgebiet. Tatsächlich erlebten die angereisten Finsternis-Beobachter dort einen freien Blick auf die verfinsterte Sonne.

Größte Finsternis

Von den Ogasawara-Inseln aus bewegte sich der Kernschatten weiter in südöstliche Richtung über den Pazifik hinweg. Um 02:35:21,1 h UT lief diese Finsternis zu ihrer Hochform auf und zeigte über dem Ozean mit 6 Minuten 38,8 Sekunden Dunkelheit die längste Totalität des Jahrhunderts.

Christoph Rollwagen
Imposanter Anblick der verfinsterten Sonne am 22. Juli 2009

Zu dieser Zeit hielten sich auch einige Kreuzfahrtschiffe in diesem Bereich auf. Die genauen geografischen Koordinaten des Ortes der größten Finsternis lauten 24°12,6' N 144°06,4' O. Der Kernschatten war hier zu einer gewaltigen Breite von 258,4 Kilometern angewachsen.

Christoph Rollwagen, YouTube
Mehr als 6 Minuten Totalität an Bord des Kreuzfahrtschiffes Costa Classica im Pazifik nahe der japanischen Insel Iwo Jima

Marshall-Inseln

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Kernschattenpfad der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 mit den wichtigsten Stationen
Eine weitere Inselgruppe im Pazifik, von der aus diese Finsternis zu sehen war, sind die Marschall- und Gilbert- Inseln, die zu dem Inselstaat Kiribati gehören und sich nordöstlich der Salomonen in der Nähe des Äquators befinden.

Der Kernschatten überstrich diese recht weit verstreuten Inseln und ihre Atolle von 03:30 h UT bis 04:00 h UT. Die maximale Totalitätsdauer nahm in diesem Bereich von 5 Minuten und 44 Sekunden auf 4 Minuten 37 Sekunden ab. Auf Tarawa, dem Hauptatoll der Gilbert-Inseln (etwas südwestlich der Zentrallinie) war eine Totalität von 3 Minuten und 53 Sekunden zu beobachten.
Wetterprognosen
Für die erfolgreiche Beobachtung einer totalen Sonnenfinsternis ist es immens wichtig, einen Standort zu wählen, der vergleichsweise günstige Wetterbedingungen bietet.

Die totale Sonnenfinsternis des Jahres 2009 fand im Juli statt, als südlich des Himalayas Monsun-Saison herrschte. In dieser Region, die Indien, Nepal, Bangladesh, Bhutan und Burma (Myanmar) einschließt, konnte also damit gerechnet werden, dass der Himmel mit hoher Wahrscheinlichkeit weiträumig mit Wolken verhangen sein wird.

Statistische Auswertungen von Wetterdaten der vorangegangenen Jahre zeigten für den indischen Subkontinent und das Himalaya-Gebirge allerorts innerhalb des Schattenpfades eine Wahrscheinlichkeit von etwa 65 bis 85%, zur Finsterniszeit einen wolkenverhangenen Himmel anzutreffen.

Auch im weiteren Verlauf der zentralen Schattenzone fiel dieser Wahrscheinlichkeitswert so gut wie nie signifikannt unter 50%. Allerdings bestanden östlich des Hochgebirgszuges etwas bessere Chanchen, einen wolkenfreien Himmel anzutreffen.

Für die Tiefebene, die der Schattenpfad in China durchquerte, konnte dem statistischen Mittel zufolge eine Wolken-Wahrscheinlichkeit von etwa 50 bis 65% angenommen werden. Dies waren die besten Werte im gesamten kontinentalen Verlauf der Kernschattenzone.

Leicht optimistischere Prognosen gab es lediglich für die Ogasawara-Inseln nahe dem Ort der größten Finsternis und einigen anderen Bereichen im Pazifik.


astrocorner.de, Google, NASA
Mittlere statistisch prognostizierte Bewölkungsdichte in der Kernschattenzone der totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009
Globaler Kernschattenverlauf
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Globaler Verlauf der Kernschattenzone der Totalen Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009
Finsternis live per WebCast
Die totale Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 wurde von einigen Stationen per WebCast im Internet übertragen. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht von Beobachtungs-Gruppen, die am Finsternistag eine Live-Übertragung anboten.

Beobachtunsort
Link
Indien »Amateur Astronomers Association Delhi
China »Eclipse City
»Saros Group
»University of North Dakota Live Webcast
»Taiwan Webcast Group
Japan
  »NASA TV
»Exploratorium
Allgemeine Informationen
Saros 136 (37. von 71 Finsternissen)
Totalität beobachtbar in Indien, Nepal, Bangladesch, Bhutan, China, Birma (Myanmar), Zentralpazifik
partiell beobachtbar in Südost- und Zentral-Asien, nördliche Teile Indonesiens, Westpazifik
maximale Totalität um 02h35m21,1s UT
maximale Dauer der Totalität 6 Minuten 38,8 Sekunden
maximaler Kernschattendurchmesser 258,4 km
Magnitude 1,0799
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interne Links zum Thema
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