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28.09.2015

Günstig zu beobachtende totale Mondfinsternis im September

In den frühen Morgenstunden des 28. September 2015 ereignete sich eine totale Mondfinsternis. Der Mond versank dabei 1 Stunde und 12 Minuten lang im Kernschatten der Erde und erschien in dieser Zeit nur noch in einem kupferroten Licht.

Während der Finsternis durchlief der Mond seinen erdnächsten Bahnpunkt - das Perigäum. Aus diesem Grund erschien er uns bis zu 14% größer als bei anderen Vollmonden des Jahres 2015.

Beobachtung im deutschsprachigen Raum
Diese Finsternis konnte fast im gesamten deutschsprachigen Raum in ihrer vollen Länge beobachtet werden. Der Mond ging etwa zu der Zeit unter, als er auch wieder aus den Halbschatten der Erde austrat.

Ort Monduntergang (MESZ)
Berlin 07:12 h
Hamburg 07:27 h
Hannover 07:28 h
Dresden 07:10 h
Köln 07:39 h
Frankfurt/Main 07:32 h
Stuttgart 07:29 h
München 07:19 h
Salzburg (A) 07:12 h
Graz (A) 07:02 h
Wien (A) 06:58 h
Zürich (CH) 07:31 h
Bern (CH) 07:36 h
Genf (CH) 07:41 h
Verlauf der Finsternis
Die totale Mondfinsternis vom 28. September 2015 begann mit dem Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde. Der Vollmond berührte die Penumbra (Halbschatten der Erde) erstmals um 02:11h Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Zu Beginn des Ereignisses stand der Mond etwa 40 Grad hoch über dem SSW-Horizont.

Der Eintritt des Mondes in die Penumbra ist allerdings generell nicht zu beobachten, da der Halbschatten der Erde nach außen hin schwächer wird und keine sichtbare Abgrenzung besitzt. Das Eintauchen des Mondes in den Halbschatten war daher erst frühestens eine halbe Stunde später zu erkennen - die Abnahme der Oberflächenhelligkeit im Halbschatten fiel aber selbst geübten Beobachtern kaum auf. Erst mit dem Voranschreiten der Finsternis war zu erkennen, wie sich ein leichter dunkler Schleier aus nordöstlicher Richtung über den noch immer hell leuchtenden Mondglobus zog.

Der bedeutsame Teil dieser Finsternis begann mit dem Eintauchen des Mondes in den Kernschatten der Erde - der Mondglobus berührte um 03:07h erstmals den von der Sonne wegzeigenden spitz zulaufenden zentralen Schattenkegel unseres Planeten.

Von nun an nahm die Helligkeit der innerhalb der Umbra (Kernschatten der Erde) befindlichen Bereiche der Mondoberfläche deutlich erkennbar ab und es war zu beobachten, wie am nordöstlichen Rand des Mondes eine vorerst kleine, im Laufe der Zeit scheinbar immer weiter anwachsende dunkle Ausbeulung entstand.

Der Himmelskörper befand sich zu dieser Zeit noch knapp 35 Grad über dem südwestlichen Horizont. Während der darauffolgenden Stunden nahm die Höhe des Mondes nach und nach ab und betrug zum Ende der Kernschattenphase weniger als 10 Grad.

Der Mond drang immer tiefer in den Kernschatten der Erde ein, bis er darin um 04:11h vollständig eingetaucht war. Der total verfinsterte Himmelskörper erschien dann allerdings nicht vollständig dunkel - ähnlich wie bei einem Sonnenuntergang brechen sich in der Erdatmosphäre vorwiegend rote Sonnenstrahlen, die den Mond erreichen und seine Oberfläche in Farbnuancen von fahlem Kupferrot bis zu strahlendem Orange tauchen.

Auf seiner scheinbaren Bahn am Himmel bewegte sich unser Trabant während der totalen Phase durch südliche Bereiche des Kernschattens. Zur Finsternismitte um 04:47h befand sich die nördliche Hemisphäre des Mondes recht nahe des Kernschattenzentrums. Es war daher eine Zunahme der Oberflächenhelligkeit zum südlichen Bereich der Mondscheibe hin zu beobachten.

Die Größe dieser Finsternis betrug 127,64%, d.h. der Mond befand sich maximal fast das 1,28fache seines scheinbaren Durchmessers tief im Kernschatten der Erde. Die vollständige Verfinsterung dauerte insgesamt 1 Stunde und 12 Minuten an. Während der Totalität erschien der Sternenhimmel sehr viel dunkler als zuvor und es ließen sich unzählige schwache Himmelobjekte mit dem bloßen Auge ausmachen.

Um 05:23h endete die Totalität dieser Finsternis, als der knapp 20 Grad hoch am Himmel stehende Mond wieder den Rand des Kernschattens erreichte. Nach und nach bewegte sich der Mond aus dem dunklen zentralen Schatten heraus, um wieder sein helles Antlitz preiszugeben. Die erneute partielle Phase dauerte bis um 06:27h an. Kurz nach 6h setzte die Morgendämmerung ein.

Danach war unser kosmischer Begleiter vollständig aus dem Kernschatten ausgetreten - nun erhellte er die Nacht wieder als strahlender Vollmond.

Schließlich wurde noch einmal eine Halbschattenphase durchlaufen. Zum Ende der Finsternis um 07:22h ging der Mond gerade am W-Horizont unter.
Lunarer Schattentanz
astrocorner.de
Pfad des Mondes durch den Schatten der Erde während der totalen Mondfinsternis vom 28. September 2015 - alle Zeitangaben in MESZ

Die totale Mondfinsternis vom 28. September 2015 war die 28. von 81 Mitgliedern des Saros-Zyklus 137.
Mond in Erdnähe
Außergewöhnlich groß erscheinender Vollmond nahe der Horizontlinie
Viele Menschen reagieren recht erstaunt, wenn sie den auf- oder untergehenden Mond nahe über der Horizontlinie erspähen. Sie behaupten dann felsenfest, einen so großen und eindrucksvollen Mond nur selten im Leben gesehen zu haben. Dabei handelt es sich aber einzig und allein um eine psychologisch bedingte optische Täuschung, für die es verschiedene Erklärungsansätze gibt.

Christoph Rollwagen
Schwankungen des scheinbaren Mondscheiben- durchmessers
Im Unterschied zu der Sinnestäuschung, die den Mond nahe am Horizont besonders groß erscheinen lässt, handelte es sich bei der außergewöhnlichen Größe des Vollmonds am 28. September 2015 von 33,5 Bogenminuten nicht (bzw. nicht nur) um eine Illusion. Da die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig ist, sondern viel eher eine leicht elliptische Form besitzt, schwankt der Abstand zwischen Erde und Mond im Laufe eines Monats. Die Entfernungsdifferenz zwischen Apogäum (erdferner Bahnpunkt) und Perigäum (erdnaher Bahnpunkt) beträgt immerhin rund 50.000 Kilometer.

Da der Mond zudem während eines Jahres seine Vollmondstellungen an verschiedenen Bahnpunkten durchläuft, erscheint auch der volle Mond zu bestimmten Zeiten etwas größer, zu anderen Zeiten wiederum etwas kleiner.

Für Beobachter mit dem bloßen Auge ist der schwankende scheinbare Monddurchmesser allerdings im Allgemeinen nur schwierig zu erkennen, da es am Himmel keine nützlichen Referenzobjekte gibt und optische Täuschungen den individuellen Eindruck sehr stark verfälschen können. Wenn man jedoch sämtliche Vollmonde eines Jahres fotografiert und das Ergebnis wie in einem Daumenkino nacheinander als Animation ablaufen lässt, so erscheint die Größenvariation recht beeindruckend.

Christoph Rollwagen
Animation aller Vollmonde von Oktober 2005 bis September 2006 - es ist deutlich zu erkennen, dass der scheinbare Durchmesser des Vollmonds im Laufe eines Jahres recht erheblichen Schwankungen unterliegt.
Allgemeine Informationen
Ereignis Zeit in MESZ
Eintritt des Mondes in den Halbschatten 02h11m
Eintritt des Mondes in den Kernschatten 03h07m
Beginn der Totalität 04h11m
Mitte der Finsternis 04h47m
Ende der Totalität 05h23m
Austritt des Mondes aus dem Kernschatten 06h27m
Austritt des Mondes aus dem Halbschatten 07h22m
Magnitude 1,2764
Kernschattenphase (teilweise) beobachtbar in östl. Pazifik, N- & S-Amerika, Europa, Afrika, westl. Asien
Dauer der totalen Verfinsterung 1 Stunde 12 Minuten
Dauer der partiellen Verfinsterung 3 Stunden 20 Minuten

astrocorner.de
Globale Sichtbarkeitsbedingungen der totalen Mondfinsternis vom 28. September 2015 - in der Westhälfte Europas konnte der gesamte Verlauf der Finsternis verfolgt werden, der Monduntergang erfolgte kurz nach dem Ende der Finsternis
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